Strom am eigenen Dach erzeugen, im Haushalt nutzen und das E-Auto damit laden klingt gut? Klarer Fall: Eine PV-Anlage muss her! Aber: Welche baulichen und rechtlichen Voraussetzungen müssen vor der Montage erfüllt sein und welche Möglichkeiten haben Sie, PV in älteren Gebäuden nachzurüsten? Damit Sie bei der Anlagenplanung keine unangenehmen Überraschungen erleben, haben wir für Sie eine Checkliste erstellt.
Photovoltaik erfreut sich nach dem Boom in den vergangenen Jahren ungebrochen großer Beliebtheit. Ein Neubau ohne Solarmodule ist heutzutage eine Rarität und auch immer mehr Besitzer/-innen älterer Häuser entscheiden sich dazu, Solaranlagen zu installieren. Vor allem in letzterem Fall spielen nicht nur die PV-Anlagenkosten, ihre Größe sowie die Ausrichtung eine Rolle. Auch an die Verkabelung zum Wechselrichter, dessen Standort, die Statik sowie den Denkmalschutz will gedacht werden.
Blicken wir jedoch zuerst auf die Grundlagen. Welche Gedanken Sie anstellen sollten, egal, ob Sie im Neu- oder im Altbau eine Solaranlage installieren wollen, fasst die folgende Liste kompakt zusammen. In ihr finden Sie diverse Links zu weiterführenden Artikeln.
Checkliste PV-Basics
Wie groß soll Ihre PV-Anlage werden, um sich wirtschaftlich zu rechnen? Steht genügend Dachfläche zur Verfügung? Diese Fragen klären wir hier.
Wie groß Ihr Batteriespeicher werden sollte, sofern Sie einen einplanen bzw. nachrüsten, erfahren Sie hier.
Welche Solarmodul-Ausrichtung und -Neigung sind auf Ihrem Gebäude möglich und lohnt sich eine PV-Anlage unter diesen Voraussetzungen? Wie Sie das ermitteln, klären wir in diesem Blogeintrag.
Wo positionieren Sie Wechselrichter und Batteriespeicher?
Wie Sie mit Verschattungen umgehen, erklären wir in einem weiteren Eintrag.
Müssen Sie Ihr Projekt genehmigen lassen bzw. dem Land oder dem Netzbetreiber melden? Das unterscheidet sich von (Bundes-)Land zu (Bundes-)Land. Eine Zusammenfassung für den DACH-Raum finden Sie am Ende dieses Eintrags.
Ist eine Wallbox geplant? Wenn ja, sollten Sie für eine Starkstromanbindung oder zumindest für eine Leerverrohrung zum Stellplatz sorgen.
Checkliste für PV und E-Mobilität in bestehenden Gebäuden
Wie sieht das nun beim Nachrüsten von PV-Anlagen aus? Können PV-Module auf älteren Dächern montiert und in Betrieb genommen werden? „Die gute Nachricht lautet: Auch wenn die nachträgliche Installation, insbesondere in Altbauten, weniger einfach vonstattengeht als bei modernen Neubauten, lässt sich PV fast überall umsetzen“, sagt Anthony Moises, Solarexperte bei Fronius International.
Neben all den Überlegungen, die Sie beim Neubau anstellen sollten, müssen Sie sich hier mit folgenden weiteren Punkten beschäftigen, damit das Sonnenstromprojekt von Erfolg gekrönt ist:
1. Erlaubt die Gebäudestatik das Montieren von PV-Modulen auf dem Dach?
2. Ist eine Verkabelung von den Modulen bis zum Wechselrichter möglich?
3. Ist ein geeigneter Standort für alle Anlagenkomponenten vorhanden?
4. Steht das Haus unter Denkmalschutz und müssen Genehmigungen eingeholt werden?
Die Statik
Handelt es sich etwa um ältere Gebäude oder besonders große PV-Projekte, muss die Statik überprüft werden. Schließlich bringt eine 10-kWp-Anlage mit ihren Modulen und der Unterkonstruktion gut und gerne 750 kg auf die Waage. Insbesondere bei Altbauten – wenn etwa keine Statikunterlagen vorhanden sind –, bei Flachdächern und in Regionen mit hohen Schneemengen ist eine Prüfung durch versierte Statiker/-innen unerlässlich. Bei Satteldächern ist die zusätzliche Last durch die PV-Module zwar meist kein Problem, doch lohnt es sich, auf Nummer sicher zu gehen. Als Bauherr/-in tragen Sie die Verantwortung für die Sicherheit und müssen gegebenenfalls ein Statikgutachten in Auftrag geben. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 300 bis 1.000 Euro, abhängig davon, ob Baupläne vorhanden sind oder neu erstellt werden müssen.

Die Verkabelung
„Um vom eigenen PV-Strom profitieren zu können, muss dieser vom Dach ins Haushaltsnetz gelangen. Dazu braucht es eine geeignete Verkabelung von den Modulfeldern zum Wechselrichter. Letzterer ist häufig im Keller oder in einem Technikraum untergebracht, was durchaus längere Kabelwege bedeutet“, weiß Moises aus Erfahrung.
Ist Ihr Gebäude in der jüngeren Vergangenheit errichtet worden, verfügt es möglicherweise über sogenannte Leerrohre. Diese werden vorausschauend beim Bau eingezogen, um auf spätere Ergänzungen im Haushaltsnetz – wie eben PV-Anlagen – vorbereitet zu sein.
Der Fronius Solarexperte erklärt: „Insbesondere bei älteren Bauten sind Leerrohre kein Standard. In vielen Fällen lassen sich die Kabel einfach über einen vorhandenen Schacht vom Dachboden in den Keller und den Technikraum ziehen, in dem der Wechselrichter hängt.“
Ist das keine Option, gibt es zwei Möglichkeiten:
- Am elegantesten ist eine unsichtbare Verlegung. Dafür müssen Sie die Wände aufstemmen, die Kabel im Mauerwerk verlegen und anschließend neu verputzen. Diese Variante ist aufwendig und kostenintensiver als ihre Alternative.
- Sie können die Kabel sichtbar an der Wand verlegen lassen. Das geht deutlich schneller und erspart größere Bauarbeiten. Allerdings birgt diese Variante optische Nachteile, auch wenn das geschulte Auge der Elektrofachkraft meist eine ansprechende Lösung findet.
Ähnlich sieht es bei der E-Mobilität aus. Denn das Laden eines E-Fahrzeugs funktioniert nur mit einem Starkstromkabel effizient. Ein solches vom Zähler zum Stellplatz zu legen, bevor Sie eine Wallbox installieren, kann in älteren Bauten wiederum den größten Kostenfaktor auf dem Weg in die E-Mobilität darstellen.

Nicht vergessen: Die PV-Anlage benötigt Platz im Stromverteilerkasten, es handelt sich um einen separaten Stromkreis. Neben dem Leitungsschutzschalter kann ein eigener FI-Schutzschalter erforderlich sein. Batteriespeicher sowie Wallboxen besetzen zusätzlich eigene Sicherungen. Planen Sie diese am besten gleich mit, sofern sie nachträglich zur PV-Anlage ergänzt werden. Sollte der bestehende Verteilerkasten nicht genug Platz bieten, muss ihn ein Fachbetrieb durch einen größeren austauschen oder alternativ um einen zusätzlichen, kleinen Verteilerkasten ergänzen. Letztere Option verursacht meist weniger Aufwand und Schmutz. Wenn es sich um eine ältere Bestandsanlage handelt, müssen die Hausbesitzer/-innen sie hingegen vollständig austauschen und modernisieren, um das Gebäude auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen und PV-fit zu machen.
Standort für Wechselrichter und Speicher
Jede PV-Anlage braucht einen Wechselrichter, um den Sonnenstrom für den Haushalt nutzbar zu machen. Je nach Hersteller und Modell muss der Standort für ein solches Gerät einigen Anforderungen gerecht werden. Bestimmt lässt sich ein solcher in Ihrem Gebäude finden bzw. einrichten. Anthony Moises hat Tipps für die Standortwahl parat: „Eines vorweg: Fronius Wechselrichter lassen sich fast überall montieren. Nur vor direkter Sonneneinstrahlung sollte man sie schützen. Der ideale Standort ist im geschützten Innenbereich, gut belüftet und trocken. Das hält die Betriebstemperatur im moderaten Bereich und erhöht die Effizienz. Daher und weil der Wechselrichter im Betrieb ein leises Surren von sich gibt, platzieren ihn viele Hausbesitzer/-innen im Technikraum oder in der Garage.“ Wer mit einem Batteriespeicher liebäugelt, muss auch für diesen Platz schaffen.

Denkmalschutz
Einen Sonderfall bilden Bauwerke, die unter Denkmalschutz stehen. Der Ausbau erneuerbarer Energien hat sowohl in Österreich als auch in Deutschland und in der Schweiz Vorrang. Solange Solarmodule die Ästhetik nur geringfügig beeinträchtigen, sind PV-Anlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden grundsätzlich erlaubt, aber immer genehmigungspflichtig. Die Denkmalbehörde/das Bundesdenkmalamt muss die Genehmigung prüfen, darf jedoch nur bei erheblichen Beeinträchtigungen des Erscheinungsbilds und der Sicherheit des Gebäudes die Errichtung einer PV-Anlage untersagen. Achtung: Der Denkmalschutz wird in der Schweiz auf Kantonsebene geregelt.
Zum Schutz des Erscheinungsbilds kommen häufig Indach-Module mit matten Oberflächen zum Einsatz, die vorzugsweise seitlich – abseits der Straßen – oder auf Nebengebäuden angebracht werden.
Melde- und Genehmigungspflichten im DACH-Raum
Meldepflicht: In Österreich und der Schweiz muss die Installation jeder PV-Anlage – auch Kleinstanlagen von mehr als 800 Watt – dem Netzbetreiber gemeldet werden. In der Regel übernimmt das der Elektrikerbetrieb. Der Anschluss von PV-Anlagen muss auch in Deutschland dem Netzbetreiber gemeldet werden.
Die Installation von Wallboxen mit mehr als 3,7 kW Ladeleistung müssen Sie in der gesamten DACH-Region dem Netzbetreiber melden. Wer mit mehr als 11 kW laden möchte, muss um eine Genehmigung ansuchen.
Genehmigungspflicht PV: Genehmigungspflichtig werden PV-Anlagen in Österreich erst mit Leistungen von mehr als 10 kWp und in der Schweiz, wenn PV-Module 50 % und mehr einer Dachfläche bedecken, während in Deutschland für private Anlagen meist keine Genehmigung eingeholt werden muss.
Ob eine Genehmigung erforderlich ist, hängt aber nicht nur von der Anlagengröße ab – Ihr Elektrofachbetrieb ist über die in Ihrer Region geltenden Bestimmungen informiert und kann sie am besten beraten. Eine Ausnahme bildet etwa das Anbringen von Solarmodulen auf denkmalgeschützten Gebäuden. Hier ist immer eine Genehmigung einzuholen.
Fazit
Ein PV-Projekt will gut überlegt sein, um den optimalen Nutzen daraus zu ziehen und bösen Überraschungen bei der Montage zu entgehen. So ist die Ermittlung der richtigen Anlagendimensionierung und -ausrichtung neben der Positionierung von Wechselrichter und Batteriespeicher ein Ankerpunkt in der Planungsphase einer jeden PV-Anlage.
Wer Photovoltaik auf einem bestehenden Gebäude nachrüsten möchte, muss sich zusätzlich Gedanken um die Baustatik, die Verkabelungsmöglichkeiten und den Denkmalschutz machen.
Zusammenfassend können wir festhalten, dass PV sich auf nahezu jedem Gebäude realisieren lässt.
Sie wissen nicht, wie und wo Sie anfangen sollen? Unsere Fronius Partnerbetriebe beraten Sie gerne und begleiten Sie von der Planung bis zur Montage Ihrer Anlage. Hier finden Sie einen Fronius Partner in Ihrer Nähe.



