Wenn beim Schweißen die Funken sprühen, sind Schweißspritzer auf dem Werkstück nicht mehr weit. Und sind sie einmal da, müssen sie wieder entfernt werden – das kostet Zeit und Geld. Deswegen heißt es: vorbeugen – und Schweißspritzer vermeiden. Oder zumindest auf ein Minimum reduzieren. Doch wie? Da kann jede Schweißfachkraft so einiges tun. Ob optimale Schweißausrüstung, ordentliche Materialvorbereitung, korrekte Brennerhandhabung oder minimale Änderungen des Arbeitsplatzes – mit diesen 8 Tipps sagen Sie Schweißspritzern den Kampf an.
Schweißspritzer vermeiden – warum ist das so wichtig?
Schweißspritzer sind kleine Metalltröpfchen, die durch den Lichtbogen von der Schweißstelle weggeschleudert werden – und auf dem Werkstück, der Schweißnaht oder auf Brennerverschleißteilen landen. Neben zeit- und kostenintensiver Reinigung können Spritzer beim Schweißen folgende Probleme nach sich ziehen:
- eine verminderte Schweißnahtqualität
- ein unsauberer und unsicherer Arbeitsplatz
- Produktionsausfallzeiten
Deswegen gilt es, Schweißspritzer zu vermeiden, wo es nur geht. Und mit unseren Tipps sind Sie auf dem besten Weg dorthin. Beginnen wir bei der optimalen Schweißausrüstung.
1. Beständigen Stromfluss gewährleisten
Um Spritzer beim Schweißen zu vermeiden, ist ein beständiger Stromfluss das A und O. Dazu müssen der Schweißbrenner sowie das Massekabel fest mit dem Schweißgerät verbunden werden. Das Gleiche gilt für die Masseübertragung am Bauteil. Die Befestigungsstelle und die Masseklemme müssen blank und gut leitfähig sein, damit Strom fließen kann.

2. Konstante Drahtförderung sicherstellen
Für ein möglichst spritzerarmes Schweißen muss der Lichtbogen stabil sein. Die Basis dafür ist eine konstante Drahtförderung. Um diese zu gewährleisten, sind drei Dinge wichtig:
- Die korrekte Ausrüstung des Schweißbrenners sicherstellen (Drahtführungsseele – Durchmesser und Länge, Einlaufstück etc.)
- Das Schlauchpaket möglichst ohne Verwindungen auslegen
- Den Anpressdruck bei den Drahtförderrollen auf den verwendeten Draht anpassen: „Ist zu wenig Druck vorhanden, kann es zu einem Durchrutschen des Drahtes kommen – die Folge ist ein Drahtförderproblem, das schnell auch zu einem Spritzerproblem werden kann“, erklärt Schweißexperte Josef Sider.
![]() Verwindungen beim Schlauchpaket können zu einem Drahtförder- und folglich zu einem Spritzerproblem werden. | ![]() So geht’s richtig: Schlauchpaket ohne Verwindungen auslegen |
3. Gasauswahl, -schutz und -menge beachten
Durch unzureichenden Gasschutz kann es zu Lichtbogeninstabilitäten kommen, die wiederum zu Schweißspritzern führen. Entscheidend für den Schutz sind hier drei Aspekte:
- Die Gasmenge: Der Drahtdurchmesser mal 10 ergibt den einzustellenden Gasdurchfluss in Litern pro Minute – so die Faustregel.
- Das Stickout (freies Drahtende): Dieses sollte nicht zu lange sein, um den Gasschutz sicherzustellen.
- Die Auswahl des Gases: Beim Schweißen unter CO2-Gasatmosphäre entstehen im höheren Leistungsbereich vermehrt Spritzer. Unser Tipp: Verwenden Sie Gasgemische statt 100 % CO2.
4. Passende Verschleißteile wählen
In puncto Verschleißteile gibt es einiges zu beachten, um Schweißspritzer zu reduzieren. Verschleißteile wie Drahtrollen, Seele oder Kontaktrohr müssen so gewählt werden, dass sie zum Material und Durchmesser vom Schweißdraht passen.
Zudem hat der Verschleißgrad einen Einfluss auf die Spritzerbildung. Weisen die Teile schon zu starken Verschleiß auf, kann es zu einem instabilen Schweißprozess und dadurch vermehrt zu Schweißspritzern kommen.
5. Korrekte Schweißparameter wählen
Die Wahl der Schweißparameter ist ebenso wichtig – vor allem, wenn man einen Leistungsbereich einstellt, der sich im Übergangslichtbogen befindet. Hier sollte die Leistung – je nach Situation – erhöht oder reduziert werden, um in den Kurzlichtbogen oder Sprühlichtbogen zu gelangen.
6. Material säubern
Auch eine gründliche Säuberung des Materials ist entscheidend. Vor dem Schweißen gilt daher: Schmutz, Rost, Öl, Zunder oder die Zinkschicht bei verzinktem Stahl müssen bei der Schweißstelle entfernt werden.
7. Korrekte Brennerhandhabung
Beachten Sie außerdem die korrekte Brennerhaltung und ‑führung. Der Brenner sollte in einem Winkel von 15° geneigt sein und in gleichmäßiger Geschwindigkeit geführt werden. „Nicht zu empfehlen ist eine stark stechende Haltung, da man in dieser Haltung einen entsprechend großen Spritzerauswurf hat“, ergänzt Experte Josef Sider.
8. Zugluft vermeiden
Ein Praxistipp, der leicht übersehen wird: Zugluft vermeiden. „Wenn man in einer Garage schweißt und es dort stark zieht, wird der Gasschutz schnell gestört – und in der Folge treten deutlich mehr Schweißspritzer auf“, erklärt Sider. Im Freien kann man die Schweißstelle nicht immer ideal abschirmen. Siders Tipp fürs Outdoor-Schweißen: Die Durchflussmenge des Schutzgases um etwa 2–3 Liter pro Minute erhöhen – so kann man der Umgebungsluft an der Schweißstelle entgegenwirken.
Immer noch zu viele Schweißspritzer: Schweißprozess wechseln
Wurden alle Tipps berücksichtigt, haben Sie schon mal einen sehr stabilen Kurzlichtbogen und können dadurch Spritzern beim Schweißen entgegenwirken. Wenn Sie aber noch mehr Stabilität benötigen und die Spritzer noch weiter reduzieren möchten, können Sie auf einen innovativen Schweißprozess wechseln. Der modifizierte Kurzlichtbogen LSC (Low Spatter Control) – auch „spritzerarmer“ Schweißprozess genannt und auf der TPS/i-Plattform verfügbar – eignet sich hervorragend, da er mit besonders hoher Lichtbogenstabilität besticht.

Schweißschutzspray: Für Spritzer, die nicht vermeidbar sind
Auch wenn sich die meisten Schweißspritzer mit den zuvor genannten Tipps deutlich reduzieren lassen, gibt es Situationen, in denen einzelne Spritzer schlicht unvermeidbar sind. Entscheidend ist dann, dass sie sich rasch wieder entfernen lassen.
Ein Schweißschutzspray schafft hier Abhilfe und verhindert, dass Schweißspritzer an Bauteilen oder Verschleißteilen festbrennen. Es wird vor dem Schweißen dünn auf das Werkstück oder Verschleißteil aufgetragen und bildet dort einen Schutzfilm. So lassen sich die Spritzer anschließend mühelos entfernen, was die Lebensdauer von Gas‑ und Stromdüsen deutlich erhöht.
Fazit: Schweißspritzer reduzieren leicht gemacht
Wie Sie sehen, lässt sich die Entstehung von Schweißspritzern mit den richtigen Maßnahmen deutlich reduzieren. Sie können selbst viel zur Vorbeugung beitragen – und im Fall unvermeidbarer Spritzer sicherstellen, dass sie gar nicht erst haften bleiben. Es lohnt sich in jedem Fall: Sie sparen Zeit und Kosten, verbessern die Schweißqualität und schaffen eine sichere Arbeitsumgebung.
Wenn Sie noch tiefer ins Thema einsteigen möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Welducator-Folge dazu: Hier sehen Sie unsere Tipps anschaulich im Video, Schritt für Schritt erklärt.





